Stillstehende Räder : Identität erhalten


400 Jahre hessische Braunkohlegeschichte
Am Amtsgericht 2-4, 34582 Borken (Hessen)

Die Dauerausstellung „Bergbaugeschichte“ informiert über die historische Entwicklung der hessischen Braunkohlegewinnung, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Eine Übersichtskarte zeigt die ehemaligen Zechenstandorte. In der Region um den Meißner, die als eines der ältesten Braunkohlereviere der Bundesrepublik Deutschland gilt, förderten Bergleute die Ressource bereits im Jahr 1578. Auch in der Umgebung Kassels, in den ländlichen Regionen Nordhessens und in der Nähe Frankfurts wurde in nennenswertem Umfang Braunkohle abgebaut.

Die Ausstellung stellt die Frage nach der Bedeutung der Braunkohle als Faktor der Industrialisierung, geht auf die soziale Situation der Bergleute ein und präsentiert bergmännische Gegenstände, Fotografien und Urkunden. Ein historischer Förderwagen (in der Bergmannssprache als Hunt bezeichnet), zahlreiche Grubenlampen (Geleucht), marktscheiderische Vermessungsgeräte und typische Bergmannstrachten vermitteln den Besuchern einen Eindruck bergmännischer Tradition.

Ein Werkstattbereich, Spinde, Kleiderhaken und eine Waschkaue gewähren Einblicke in das alltägliche Arbeitsleben. Tagebau- und Kraftwerksmodelle zeigen die Orte der Arbeit. Eine Küchenzeile mit einem Kohleherd lenkt den Blick auf das „Zuhause“ einer Industriearbeiterfamilie.

Die Ausstellung „Bergbaugeschichte“ befindet sich in dem ältesten, restaurierten Fachwerkgebäude der Stadt Borken „Am Amtsgericht“, das unter Denkmalschutz steht. Die Wahl dieses besonderen Ausstellungsortes unterstreicht den Stellenwert der Bergleute im Wirtschaftsgefüge der Region.

In unmittelbarer Nähe des Fachwerkgebäudes in der Borkener Altstadt weisen Streckenvortriebsmaschinen und ein Förderschachtgerüst auf den musealen Charakter des Gebäudeensembles hin. Das Schachtgerüst stammt vom ehemaligen Tiefbaubetrieb Stolzenbach, der sich in etwa zehn Kilometer Entfernung von der Kernstadt befand. Mit der Umsetzungsaktion verband sich aus Sicht der regionalen Bevölkerung eine besondere Intention, schuf sie doch einen innerstädtischen Erinnerungsort an das Grubenunglück des Jahres 1988 und eine ideelle Verbindung zu der am Unglücksort geschaffenen „Gedenkstätte Stolzenbach“.

Gedenkstätte

Am 01. Juni 1988 ereignete sich auf der Grube Stolzenbach eine untertätige Kohlenstaubexpolsion, bei der 51 Bergleute ums Leben kamen. Acht Bergleute wurden verletzt. Sechs Bergleute konnten gerettet werden. Die Grube, einer der letzten bundesdeutschen Braunkohletiefbaue, musste aufgrund der Zerstörung ihren Betrieb einstellen. Auf dem ehemaligen Betriebsgelände wurde eine Gedenkstätte errichtet, die an all diejenigen erinnert, die bei der Arbeit im Borkener Braunkohlerevier tödlich verunglückten. Die Gedenkstätte wurde im Jahr 1991, das Museumsgebäude in der Borkener Altstadt im Jahr 1992 eingeweiht. Die Gedenkstätte Stolzenbach ist ständig öffentlich zugänglich.

Künstlerische Interpretation

Am Museumsgebäude in der Kernstadt hat noch eine zweite museale Einrichtung mit hoher Symbolkraft ihren Ausgangspunkt: die Borkener Museumsstraße. Sieben Skulpturen und drei technische Denkmale aus dem Kraftwerk und dem Bergbau sind künstlerischer Ausdruck des historischen Umbruchprozesses in der Region. Die Kunstobjekte, geformt aus ehemaligen Werkzeugen und Maschinenteilen, interpretieren traditionelle Berufsbilder wie Kraftwerksmaschinist, Steiger oder Markscheider und symbolisieren Vergänglichkeit und Neubeginn.

Die Borkener Museumsstraße verbindet auf einer Länge von anderthalb Kilometern die vier wichtigsten Ausstellungsbereiche des Hessischen Braunkohle Bergbaumuseums: Das Besucherbergwerk und die Dauerausstellung „Bergbaugeschichte“ mit dem Themenpark „Kohle & Energie“ und dem Naturschutz-Informationszentrum „Borkener See“

Die Ausstellung „Bergbaugeschichte“, die Gedenkstätte Stolzenbach und die Museumsstraße sind das Spiegelbild der Indentitätsbrüche in der ehemaligen Bergbauregion.

Braunkohle – eine Definition

Braunkohle ist ein fossiler Rohstoff und ein nichterneuerbarer Energieträger. Sie entstand vor mehreren Millionen Jahren durch einen Umwandlungsprozess pflanzlicher Überreste aus urzeitlichen Urwäldern. Farne, Gräser, Büsche und Bäume, die erst mit Hilfe der Sonnenenergie wachsen konnten, bildeten beim Absterben weiträumige Moore, die sich langsam absenkten. Im Verlauf des Inkohlungsprozesses wandelt sich die Biomasse erst in Torf, dann in Braunkohle und später in Steinkohle um.

Braunkohle besteht zur Hälfte aus Wasser und Sauerstoff, zu einem Drittel aus Kohlenstoff sowie aus mineralischen, nicht brennbaren Materialien. Weitere Bestandteile können Schwefel, Stickstoff und Teer sein. Braunkohle wird vorrangig zur Erzeugung elektrischer Energie, aber auch zur Brikett- und Kohlestaubproduktion genutzt.

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Sonntag von 14 Uhr - 17 Uhr (nur Besucherstollen / Bergbaugeschichte)

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